Vestibularsyndrom beim Hund
Wie einige von euch mitbekommen haben hat Lucy Anfang September 2023 am Vestibularsyndrom gelitten. Ich möchte mit diesem Bericht die Sicht des Hundebesitzers darstellen. Denn viele anderen Artikel die man sonst so im Netz findet sind oft aus Sicht einer Klinik oder eines Tierarztes. Und da Lucy eben einige Symptome hatte die doch recht selten für das Vestibularsyndrom sind, will ich einen Bericht schreiben und euch vielleicht etwas helfen und Mut zusprechen. Bei allem bin ich immer mit meiner TÄ in Verbindung, ich habe also nie einfach mal rumprobiert oder so...
Kurz ein paar Hintergrundinfos zu Lucy. Sie ist am 28. April 2009 geboren, ein Aussie und schon immer etwas ruhiger aber sehr souverän.
Zu ihren Erkrankungen die in den letzten Jahren dazu kamen:
- seit Jahren hat sie immer mal wieder Tage an denen sie spuckt und Durchfall hat, mal so dass es nur so bissl ist und mal so dass wir in der Stunde 3 mal raus müssen. Ulmenrinde und diverse andere Mittel ändern leider nichts daran, gefühlt ist das aber auch etwas weniger geworden.
- ca Januar 2022 nächtliches Wandern, mit Karsivan gut in den Griff bekommen und dies nach ca 3 Monaten wieder abgesetzt.
- seit ca. Juni 2022 Inkontinent, bekommt Propalin dagegen
- seit ca. Juli 2022 erhöhte Nierenwerte, Blut untersuchen lassen da sie mehr getrunken hat. Durch Nahrungsumstellung sind wir nun bei etwas über dem Normalwert, sonst keinerlei Symptome
- Juni 2023 erster Krampfanfall nach bzw während sie gespuckt hat. Danach kurz verwirrt gewesen und es war dann aber wieder gut. Ohne Kot-/Urinabsatz. Sie hatte hier auch 2 Wochen Probleme das essen bei sich zu behalten bzw fraß sehr schlecht.
- Seit Juni 2023 so alle 4 Wochen beim würgen wenn sie spucken möchte bzw dies dann auch tut Kreislaufprobleme so dass sie zusammenklappt bzw eben auch krampft. Aber eben nur in dieser Situation und auch nur draußen. In der Wohnung spuckt sie ohne krampfen und langes würgen.
05. September 2023
Wir waren 4 Tage Campen und kamen am 5.9. abends nach Hause. Lucy lag dann neben mir auf der Coach, alles entspannt, kein hecheln oder sonst was. Plötzlich fing sie an zu krampfen. Es war sehr kurz und ohne Kot-/Urinabsatz. Zeitangaben sind in solchen Situationen immer sehr schwer zu sagen. Gefühlt 20 Sekunden. Danach war wieder alles gut. Sie war fit, natürlich hat sie da abends eh nur noch geschlafen nach dem langen Wochenende. Wir dachten das Krampfen kommt vom langen Wochenende und dem Stress und da sie ja sonst auch immer mal kurz gekrampft hat und danach normal war haben wir uns keine weiteren Gedanken gemacht.
06. September 2023
Ein ganz normaler Tag, wir ließen es ruhiger angehen da wir ja übers Wochenende weg waren. Auch abends lag sie ganz ruhig bei meinem Partner. Ich kam gegen 18:30 nach Hause und hab gemerkt dass sie anders ist. Total aufgedreht, wollte irgendwie was von mir. Dachte ich geb mal das Abendessen (ja im Alter lässt man sich auch mal "erpressen"). Sie hat es sehr schnell gefressen was au sehr ungewöhnlich war. Sie lag danach an der Coach auf dem Boden und ich sah sie nur von oben. Aber ich bemerkte dass ihr Blick so unruhig war (kein Augenrollen). Dann wollte sie raus und doch nicht. Also völlig rastlos und plötzlich konnte sie nicht mehr stehen. Angelehnt bzw mit Unterstützung von uns ging es. Hinliegen wollte sie auch nicht. Sie hat aber zu keiner Zeit gekrampft oder war weg. Das ging sehr lange, schon so 15 - 20 Minuten. Wir sind dann in die Klinik mit ihr gefahren. Da wurde es besser und in die Klinik ist sie dann selbst gelaufen, aber seeeehr wackelig. Sie war richtig fertig und müde. Es dauerte 3 Stunden in der Klinik. Der Arzt wollte sie erst auf Epilepsie behandeln, da sie aber ja gar nicht gekrampft hat an dem Tag wollte ich das noch nicht. Wir sollen wieder mit Karsivan anfangen und am nächsten Tag zum Blut abnehmen kommen (fragt mich bitte nicht, irgenwie kann ne Krankheit die vom Katzenkot kommt auch diese Anfälle auslösen). Ich hätte sie zur Beobachtung in der Klinik lassen können, hab sie aber mit nach Hause.
7. September 2023
Lucy war nicht fit. Sie schlief viel, war wackelig auf den Beinen, wollte nicht auf die Coach,... Also kein guter Tag. Der Termin zur Blutabnahme war um 13 Uhr. Gegen 12:30 saß ich bei ihr auf dem Boden und sie hat sich im Platz an mich gelehnt, Kopf aber nicht abgelegt. Plötzlich fing sie an sich zu "rollen". Sprich in meine Richtung gerollt. So 2 oder 3 mal. Danach war sie noch wackeliger auf den Beinen. Wir sind dann gleich los in die Klinik. Dort war man irgendwie nur auf die Blutabnahme eingestellt. Sie wurde dann aber doch untersucht. Es ging ihr immer schlechter. Die Ärztin stand dann auch ratlos neben mir, denn CT, MRT usw. hab ich nicht mehr machen lassen, denn wenn sie einen Tumor hat mit 14,5... und Narkose in ihrem Zustand war auch nicht möglich. Ich habe dann gefragt warum wir nicht auf das Vestibularsyndrom behandeln, sie hatte eben gefühlt 8 von 10 Symptomen. Der Ärztin fehlte das Augenrollen und die Kopfschiefhaltung. Sie entschied sich dann aber dafür ihr 24 Stunden eine Infusion zu geben. Was ich bis dahin nicht wusste, es gibt kein Mittel mit dem man das Vestibularsyndrom behandelt, man behandelt nur die Symptome und beim Rest muss der Hund leider durch und sich von selbst erholen. Also gut, Infusion, wir durften in einen seperaten Raum und ich durfte bei ihr bleiben. Beginn mit der Infusion war so gegen 15:30 Uhr. Es ging leider trotzdem weiter bergab und sie konnte nicht mal mehr stehen. Sie war wie ein Pfannkuchen und hat sich gefühlt richtig auf den Boden gepresst. Also der Körper war nicht ohne Spannung. Die Ärztin wollte ihr Herz noch mal abhören weil sie so stark gehechelt hat, das ging allerdings nicht da wir sie nicht hoch bekommen haben. Lucy wurde auch noch geröngt im Brustkorb um einen Tumor auszuschließen, da sie so schlapp war und keine Narkose oder so nötig war hab ich das machen lassen. KEIN Tumor zum Glück. Dennoch ging es ihr nicht besser. Ich bat die TÄ noch ihr Vit B komplex zu spritzen, immer gut wenn es im Oberstüble nemme ganz rund läuft. Sie hat abends ein bisschen gegessen und bisschen getrunken. Aber wirklich, wir sprechen von einem halben TL oder so... Gegen 20 Uhr bin ich dann nach Hause und hab sie dort gelassen. Ich kann euch sagen, dieser Anblick, dieses Gefühl deinen Hund in diesem Käfig allein zu lassen. Selbst beim schreiben kommen mir hier die Tränen... Echt ganz schlimm. Aber ich hab es mir einfach nicht zugetraut sie in diesem Zustand zu Hause zu haben. Zumal die Ärztin tagsüber schon immer leichte Andeutungen gemacht hat dass es ja ein alter Hund ist usw. also Richtung einschläfern, nicht an dem Tag aber dass es eben bald so weit sein könnte. Dann heim fahren und sie stirbt allein in der Nacht, dieser Gedanke...
8. September 2023
Am nächsten Morgen durfte ich zum Glück gleich um 7 Uhr zu ihr. Mir kam die Tierarzthelferin entgegen, Lucy hat um 6 noch mal schlimm gekrampft mit Kot und Urinabsatz, sie hat da dann auch was gespritzt bekommen. Sie wurde dann auf einem Tisch zu mir gebracht. Dieser Anblick... das Augenrollen war da und der Kopf war schief. Ein Häufchen Elend lag da auf dem Tisch, ich sags euch. Na ja, für mich trotzdem eine Erleichterung da es das Vestibularsyndrom war und nun endlich alle Symptome da waren. Ich hatte ja viel gelesen in den letzten Tagen und wusste bzw hoffte wenn es kein Tumor auslöst wird es in den nächsten Tagen besser. Dennoch überwiegte natürlich die Sorge. Sie bekam nun was gegen die Übelkeit und den Schwindel. Sie lag echt schlimm drin. Sie verlor gefühlt 2-3 die Stunde Kot und Urin. Kot wurde zunehmend roter bzw irgendwann kam nur noch Blut. Im Blut waren kleine "Schalen". Wir dachten dann sie hat vielleicht was unterwegs gefressen, aber im Nachhinein hab ich rausgefunden dass es Quinoaschalen waren, das war in dem Nassfutter drin. In der Situation in der Klinik bin ich natürlich auch nicht drauf gekommen...
Ich wusste nicht ob sie mitbekommt dass ich da bin, es war ein anstrengender Tag. Ich durfte aber den ganzen Tag bei ihr bleiben und wir wurden super umsorgt. Morgens kam eine andere Ärztin, sie hat was sehr tolles festgestellt. Lucy ihre Augen rollten horizontal, das spricht zu 80% für das periphere/geriartrische Vestibularsyndrom, also kein zentrales das eher für einen Tumor gesprochen hätte. Man war ich erleichtert. Gegen Mittag fing Lucy an mit ihrer Pfote nach mir zu hauen bzw sie anzuheben wenn ich aufhörte sie zu streicheln. Das war für mich das Zeichen dass sie weiß dass ich da bin und dass sie noch da ist... Man klammert sich da wirklich an alles. Sie hat auch über den Tag immer mal wieder ein Löffelchen gefressen und etwas getrunken, trotz Infusion.